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6. März 2010

Man muss kein Sultan sein...

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Eingetragen von: Erneste Appell

Hamam, der orientalische Dampfbad-Kult, findet zunehmend seine Verbreitung im europäischen Raum. Die Grundidee, Reinigung und Entspannung zu finden, ist in unserer immer körperbewussteren und wellnessaffinen Gesellschaft absolut aktuell. Dies gepaart mit exotischem Flair und speziellen Ritualen (mehr Informationen hier) macht das Hamam besonders interessant. War man am Wochenende darin, gibt es etwas zu berichten, ganz im Gegensatz zur schon fast langweilig gewordenen finnischen Sauna.

Wer nun gar zu wenig Zeit hat oder den öffentlichen Charakter derartiger Einrichtungen nicht schätzt, kann sich dank des Saunaherstellers Effegibi nun sein privates Hamam einrichten. Je nach Grösse lässt sich der dafür vorgesehene Raum mit einem Isolationssystem abdichten, dann kommt der Dampfgenerator mit elektronischem Kontrollpanel, Dampfdüsen und speziellen Deckenlichtern für Lichttherapie (optional) und am Ende Waschbecken und Schale aus Teakholz oder Kunstharz (weiss, grün oder bernsteinfarben).

Da das Ganze eine Systemlösung ist, bleibt es übrigens Ihnen überlassen, ob Sie sich eine kleine Hamam-Box bauen und auf den modern-farbigen Kunstharz setzen (siehe oben) oder einen ganzen Raum zum Hamam machen und Mosaike und Holz verwenden (siehe unten).

Effegibi Hamam

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20. Februar 2010

Objekt(e) der Woche: TOTS

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Eingetragen von: Erneste Appell

Gewaltige Kathedralen, Paläste und Villen in Ehren aber spätestens seit der sozialen Agenda der Moderne ist klar, dass der zeitenössische Gestalter - sei es nun ein Architekt oder ein Designer - für sämtliche Mitglieder der Gesellschaft sinnvoll Raum und Alltag zu formen hat. Dessen bewusst hat sich das AIA studio Salazar ǀ Navarro Architects im Auftrag von ALTRO daran gemacht, ein modulares System zu entwickeln, welches im Badezimmer alle Bedürfnisse abdeckt, die verschieden Menschen haben können. In den Einheitsbreiten von 40 und 80 Zentimetern kann so ein ausklappbarer Wickeltisch nachgerüstet werden, welcher später durch ein zweites Waschbecken, einen integrierten Müll oder eine behindertengerechte Toilette ersetzt wird. 

Sicherlich stehen beim Projekt TOTS die körperlich eingeschränkten Menschen - Behinderte, Altersschwache, Schwangere und Kleinkinder - im Vordergrund. Doch mit der These, dass in heutigen Zeiten der unvorhersehbaren Haushaltsentwicklung das Badezimmer als anpassbarer Raum funktionieren könnte, was auch für junge und gesunde Menschen von Vorteil sein würde, liegt das Projekt goldrichtig in seiner Verantwortlichkeit gegenüber dem Menschen. Im Gegensatz zu klassischen Produkten für Behinderte liegt hier also ein Produkt für alle vor und auch wenn die Gestaltung etwas gar technoid wirkt und leicht an eine - zwar schöne und grosse - Flugzeugtoilette erinnert, so überzeugt es doch durch seine konzeptuelle und formale Einfachheit verbunden mit vielen technischen Details.

ALTRO TOTS

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14. Februar 2010

Die Waschinsel

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Eingetragen von: Erneste Appell

Die Kochinsel als freistehender Block, rundherum begehbares Objekt und Ausdruck geräumigen Luxus fehlt in kaum einem Neubau für gehobene Ansprüche und erst recht in keinem Wohndesign-Magazin. In Anbetracht dieser Tatsache hat es erstaunlich lang gedauert, bis die Idee entstand, das Konzept auch im Badezimmer einzuführen. Getan hat dies die italienische INDA mit den Waschplatz-Halbinseln. Die schönste ist wohl die T108, welche neben massiven Spiegeln, die als Blöcke auf dem Block in Erscheinung treten, durch punktsymmetrisch angeordnete Waschbecken überzeugt. Diese sind in formaler Spannung zwischen rund und eckig gehalten und in der Fläche versunken treten sie gleichsam aus ihr heraus.

Fazit: Für Loftwohnungen kinderloser Doppelverdiener und andere geräumige Wohnkonzepte ein absoluter Topshot, ansonsten schlichtweg zu gross.

INDA > möbel > Inseln

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31. Dezember 2009

Klassisch auf der Toilette

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Eingetragen von: Erneste Appell

Gegen Ende des Jahres schaut man gerne zurück, denn nicht zuletzt ist der Blick auf die Geschichte eine unerschöpfliche Ansammlung von Erfahrungen, Geschehnissen und Dingen aus denen der moderne Mensch lernen kann - wenn er die Zeichen seiner Zeit nur zu deuten vermag. Und ebenso nostalgisch, wie so mancher auf seine eigene Vergangenheit blickt, fühlt er bezüglich den Gegenständen des Alltags. Nicht von ungefähr sind Altbauwohnungen mit Stuckdecken, alte in Handwerkstradition hergestellte Esstische aus Holz und vieles mehr sehr beliebt auf dem Markt. Doch zurück ins Badezimmer:

Waschtische im Retro-Stil gibt es zur Genüge. Und die Rede ist hier nicht von an die 70er angelehntem Design sondern von Waschbecken, wie sie im vorletzten Jahrhundert in gutbürgerlichen Kreisen aussahen. Dass fast kein Hersteller sich die Mühe macht, die entsprechende Toilette dazu zu gestalten, erstaunt. Einer hat es jedoch gemacht und der heisst Simas. Das Produkt nennt sich ohne jeden Sinnbezug Arcade. Ein schönes Wort immerhin. Und nebst der Toilette vor allem auch ein schöner Deckel aus dunklem, warmem Holz.

Und wenn auch Sie die wandhängige Variante im Nostalgia-Look befremdlich finden seien Sie beruhigt, es gibt auch die gute alte Standtoilette (siehe unten).

Simas > Collections > Classic > Arcade

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21. Dezember 2009

Der Terracotta, der keiner ist...

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Eingetragen von: Erneste Appell

Terracotta ist einer der ersten komplexen Baustoffe in der menschlichen Zivilisationsgeschichte. Mit Wasser vermischter, eisenhaltiger (roter) oder auch kalkhaltiger (gelblicher) Ton wird im Feuer gebrannt und verbleibt haltbar, wasserfest und frostbeständig. Einfach verfügbar und zu bearbeiten fand die "gebrannte Erde" daher schnell Anwendung in der Antike und erlebte weitere Blütezeiten in der Renaissance und im 19. Jahrhundert (u.a. durch den preussischen Architekten Karl Friedrich Schinkel, dessen Backstein-Opus-Magnum, die Berliner Bauakademie, verziert mit Terracotta-Reliefs zur Zeit wieder aufgebaut wird).

Soviel zur Geschichte des Terracotta, hier nun die Fliese des Tages, die Rosa dei Venti, welche vom italienischen Hersteller Cotto d'Este produziert wird und sich an die Tradition schöner Majolika-Fussböden mediterraner Villen anlehnt. Nun muss man wissen, dass der Unterschied zwischen Majolika und Terracotta die bei der Majolika aufgebrachte, deckend weisse Zinnglasur ist. Dass die Rosa dei Venti nun unter Terracottafliesen eingeordnet wurde, ist zwar ein peinlicher Fauxpas für den Produzenten, der sich immerhin als Fortführer der grossen Terracotta-Tradition sieht. Doch sei's drum, die Glasur gibt der sonst schon wunderschönen Fliese einen seidig-weissen Glanz, macht sie beständiger und vereinfacht die Reinigung.

Cotto d'Este - Rosa dei Venti

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20. Dezember 2009

Don't Repeat Yourself

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Eingetragen von: Erneste Appell

Monotonie - ein abschreckendes Schlagwort für den modern-individualisierten Menschen, welches nicht zuletzt zentral für zahllose gesellschaftskritische Zukunftsromane und -filme war. Die hierin zum Ausdruck gebrachte Angst vor einer entmenschlichten, überindustrialisierten Gesellschaft ist als historischer Ankerpunkt für die Entwicklung der postmodernen Design- und Architekturgeschichte bis zum heutigen Tag zu begreifen. Die Faszination für das Maschinelle und Repetitive in der Formgebung gehört schon längst der Vergangenheit an und organische, beliebig wirkende Verkleidungen gehören zum Alltagsbild und spiegeln die Sehnsucht nach Ursprünglichkeit und Natur wider.

Und hier steckt der zeitgenössische Designer meist in der Klemme. Denn nach wie vor verlangt der Konkurrenz- und Kostendruck fast immer eine effiziente, industrielle Herstellung und somit kann das angestrebte Bild einer stets unterschiedlichen Struktur meist nur geschickt suggeriert werden. 

Gut gelungen ist dies dem für BRIX srl tätigen Designer Vincent Van Duysen mit der Fliese DRY. Der Name steht einerseits für das von den Aufplatzungen von Farbe oder Erde inspirierte Liniennetz, welches sich ergibt und andererseits für den Slogan "Don't Repeat Yourself". Ziel der in schwarz und weiss erhältlichen Kollektion war es nämlich, ein möglichst abwechslungsreiches Bild mithilfe weniger Teilformen herzustellen, welche jeweils in Gruppen von zwei bis vier Teilen ein regelmässiges Sechseck bilden. Durch Verdrehungen und Aneinanderreihung steht somit eine mathematisch schier unbegrenzte Möglichkeit zur Verfügung, ein Bild an der Wand zu generieren.

BRIX srl

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25. November 2009

Objekt der Woche: Devon & Devon CONSOLLE

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Eingetragen von: Erneste Appell

Auf den ersten Blick wirkt der Waschtisch CONSOLLE befremdend und schnell wird klar, was an diesem Stück aus dem traditionsbewussten Hause Devon & Devon so andersartig ist: Hier kragt weder ein an der Wand befestigter Tisch aus, noch steht dieser frei davor - dieser Waschtisch tut beides. In diesem Fall sind die Standfüsse jedoch weniger als - heute unnötige - statische Entlastung des auskragenden Beckens zu verstehen sondern vielmehr als Zitat an eine vergangene Formenwelt. Durch diese Aufgreifen erhält der moderne, sich nostalgisch nach der überschwänglichen Welt des Barock sehnende Mensch, was er verlangt. Durch die formale Beruhigung und den Verzicht auf die hinteren beiden Tischbeine bleibt dieser Akt jedoch stets offensichtlich.

Wenn man möchte, könnte man den CONSOLLE also als ein Stück Kulturkritik betrachten, welches die (Un)wiederbringlichkeit der Zeit verkörpert. Nur die Form kann wiederkehren, doch der geschichtliche Kontext bleibt ein anderer und das Stück, welches dies versucht in dieser Hinsicht unzulänglich - eine Unvollständigkeit, die hier quasi in Form eines entstellten, bloss zweibeinigen Tisches versinnbildlicht wird.

Oder aber es handelt sich hier einfach um einen wunderschön-spannenden Waschtisch. Alles eine Frage der Perspektive...

Devon & Devon CONSOLLE

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11. November 2009

Objekt der Woche: Marcel Duchamps Fountain

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Eingetragen von: Erneste Appell

Eigentlich ist das hier abgebildete Urinal eher ein Objekt des Jahrhunderts denn der Woche, ist dieses einzigartige Modell Bedfordshire der Firma J.L. Mott Iron Works aus New York doch das mit Abstand berühmteste Urinal der Welt. Unter dem Namen Fountain (engl. Spingbrunnen aber auch Ursprung) stellte es der französische Künstler Marcel Duchamps, eine Ikone der frühen Konzeptkunst, 1917 im New Yorker Grand Central Palace aus. Beziehungsweise nicht aus. Das einfache, unbehandelte Stück, um 90 Grad gedreht und mit dem fiktiven Namen R. Mutt und der Jahreszahl beschriftet, war nämlich das einzige von etwa 2.500 Kunstwerken, welches bei der Ausstellung nicht gezeigt wurde - und dies, wo doch die Statuten der just zuvor gegründeten Society of Independent Artists eine komplette Freiheit von Zensur und die ultimative Freiheit und Souveränität des Künstlers proklamiert hatten.

Dies ist die Geburtsstunde des Readymade, des objet trouvé: Duchamps hatte die Society ausgetrickst und die erste Kunst gemacht, die schon gemacht war - und zwar nicht vom Künstler selbst. Dieser subversive Akt löste in der Folge grosse Diskussionen aus, das Objekt, seine Beschriftung und die Bedeutung Duchamps Handelns wurden vielfach und ausführlich interpretiert. Heutzutage herrscht zwar Einigkeit - zumindest in der Kunstwelt - darüber, dass das Readymade durch die Auswahl, Inszenierung, Verformung oder Benennung des Künstlers zum Kunstobjekt werden kann, es bedurfte jedoch eines einfachen, weissen Prozellanurinals um diese Veränderung in den vermeintlich kreativen, abstrakt denkenden Köpfen von 1917 auszulösen.

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6. November 2009

Zeig mir deine Toilette und ich sag dir wer du bist...

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Eingetragen von: Erneste Appell

... und das tue ich auch, wenn du ein Land bist.

Wenn jemand eine derart absurde Interpretation des menschlichen Handelns zustande bringen kann, die dabei noch überzeugt, dann Slavoj Žižek. Der slowenischstämmige Philosoph und Kulturkritiker ist in einer Reihe zu nennen mit geistigen Grössen der Gegenwart wie Jürgen Habermas, Peter Sloterdijk, Alain Badiou oder Noam Chomsky. Er interpretierte die Psychoanalsye Jacques Lecans, entwickelte sie weiter und übertrug sie auf die Populärkultur, er schreibt über das Subjekt, das Reale, das Symbolische und das Imaginäre und nicht zuletzt erklärt er in The Pervert's Guide To Cinema Filme wie David Lynch's Lost Highway, wodurch sich deren Sinn auch weniger genialen Betrachtern zu erschliessen vermag. Kurzum: Hier ein Videoclip mit Ausführungen Slavoj Žižeks über die Toilettenkultur in Mitteleuropa.

Slavoj Žižek über Toiletten und Ideologien

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11. Oktober 2009

Nimm zwei

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Eingetragen von: Erneste Appell

Und noch einmal eine kreative Idee für die Behebung hygienischer Mängel. Hier geht es vor allem um die Männertoilette im öffentlichen Raum. Sicherlich, wer nur klein muss bevorzugt in der Regel das Pissoir - immerhin ist die stehende Verrichtung des Geschäfts das biologische Privileg des Mannes. Doch sollten die Pissoirs besetzt sein, so geht der Mann auf die Toilette und tut was? Richtig: Er tut's stehend.

In einer Studie für den japanischen Sanitärriesen Toto kam der Designer Young Sang Eun nun auf die Idee, ein auf Knopfdruck drehbares Kombinationsstück zu schaffen, bei dem die eine Seite als Pissoir dient, die andere als reguläre Toilette, bei die gesamte Sitzfläche mit Unterbau aus der schlanken, konischen Form herausklappt. Die Idee ist genial, einfach, könnte gerade im öffentlichen Raum die Trennung der Toilette für Mann und Frau überflüssig machen - was sich auch auf die Schlangen vor den Damentoiletten auswirken dürfte - und ist ähnlich wie ein Concept Car auf der IAA wohl frühstens in 20 Jahren wirklich auf dem Markt. Schade eigentlich.

 

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